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Das Schwarze Meer und Istanbul

UKR-Ferry Odessa-Istanbul

Die Reise übers Schwarze Meer

Am Schiff wird uns der Pass abgenommen, das irritiert, vor allem auch das Gefühl, das Fragen eigentlich nicht gestellt werden und wenn sie dann doch - in diesem Falle von uns - gestellt werden, nicht beantwortet werden. Wieder kommen Bilder hoch von Zeiten der Transitfahrten damals von Westberlin nach Westdeutschland, als mensch eher nicht fragte, weil Fragen einfach alles nur noch verkomplizierten und es Antworten sowieso nicht gab und man ja eigentlich nur ankommen wollte. Das ging die ganze Fahrt über so weiter, erschwert noch dadurch, dass in der Nacht plötzlich Unwetter aufkam, das Schiff extrem ins Schwanken geriet und wir aus dem körperlichen Gleichgewicht.

War der Speiseraum beim Abendessen noch bis auf den letzten Platz besetzt, trauten sich zum Frühstück nur wenige Menschen aus ihren Kabinen und die, die sich in besoffen anmutenden Bewegungen übers Schiff zu gehen trauten, trugen ungesunde Gesichtsfarbe vor sich her. Mir war einfach übel, speiübel. Diesen – in den Wunschträumen mit Sonne, guter Meeresluft versehenen – Sonntag verbrachten wir schlicht und einfach hin und herschaukelnd in waagerechter Liegeposition in der Kabine.

Ein gestohlener Tag im kostbar zurecht überlegten Urlaubsplan. Bescheuert war dann noch das Aus checken in Istanbul, in einer unsäglicUnwetter auf Seeh bevormundenden, autoritär schon lange nicht mehr so erlebten, die Menschen schlicht und einfach nicht ernstnehmenden Form. Nix sagen, bloss keine Informationen geben, dumm halten und in Abhängigkeit. Mein völlig verstimmter Magen kochte angesichts dieser Haltung. Planmäßige Ankunft war 8 Uhr, um 9 lagen wir an Land, um kurz vor elf durften wir vom Schiff - immer noch ohne Pässe. In der Migration wurden dann die Menschen einzeln aufgerufen, um ihre Pässe abzuholen - vorgeführt vor allen. Eine Reise, die sicherlich ihre Reize hat bei schönem Wetter, die aber auch in Welten führt, die nicht wirklich zu meinen favorisierten gehören. Auffällig war bei dieser ganzen Geschichte, dass wir - und damit mein ich die westeuropäischen Menschen - nicht unbedingt die Touristen sind, die man sich auf solchen Strecken gerne wünscht.


ISTANBUL

Eine völlig verrückte Stadt und in diese Stadt durch den Bosporus einzufahren, ist schon etwas Besonderes. Leider hatten wir aber nicht den erhofften schönen Sonnenaufgang, obwohl wir ab 6 Uhr morgens auf Oberdeck standen. Die Wolken hatten Oberhand und trübten den historischen MomenAnkunft in Istanbult mit ihren verschiedenen blaugrauen Tönen leider extrem ein. Und dennoch ein abwechslungsreiches Stadtbild, Geschichte von Religion und Herrscherpalästen gemischt mit aktuellem Prunk, dazwischen wunderschöne Straßenzüge, Fischerboote, Fährschiffe, Wohnhäuser und wieder Religion. Später spazierten wir, lange wie es sich gehört über die überfüllten Straßen und obwohl ich eigentlich noch völlig schwankte von der Schifffahrt, zog mich das Leben hier an. Natürlich waren wir auch dort, wo mensch als Tourist in Istanbul hingeht, gingen über die Galatabrücke hinüber zu den historischen Bauten, die gegeneinander in Größe, Prunk, Anziehungskraft und Anstrahlung konkurrieren.

vor der MoscheeDer Topkapi Palast, die Hagia Sofia Moschee, die Blaue Moschee und all die anderen auf engstem Raum beieinander stehenden Moscheen. Glücklich über aufkommende Sonne flanierten wir durch den Park am Topkapi Palast und wieder kam uns in den Sinn, das eigentlich der Reiseführer geschrieben werden müsste, in dem erzählt würde, was es gekostet hat an Menschenleben, an ausbluten und aushungern lassen von ungezählten Leben, als diese Prunkbauten erbaut wurden, egal ob die Paläste, die Doms und Kathedralen oder Moscheen in all den Städten, in denen wir jetzt waren, wo das Gold und all die erschlagend schönen Bilder, Intarsien, Verzierungen, Legierungen, Figuren usw. herkommen, wer in welcher Form dafür arbeiten musste, damit Herrscher soundso oder Religionsführer soundso diesen Palast/Dom/Kathedrale/Moschee zu seinen Ehren bauen ließ. Die Routen in den Reiseführen beschreiben in all den Städten die Schönheiten, die vorzufinden sind in diesen Gebäuden, sie nennen die Namen derjenigen, die sie erbauen ließen und weisen darauf hin, was jeweils die Besonderheiten der Baustile sind, die zeitgenössischen Errungenschaften.

TaubenfütternAber welcher Verlag hätte ein Interesse an solch einem anderen Reiseführer, an Geschichten, die die Fragwürdigkeit solcher Paläste in den Vordergrund stellen, die den Massen von Touristen, die heute mit offenem mund staunend die Paläste betrachten ein paar bittere brocken über deren Entstehung erzählen würden - sicherlich keiner. Bei unserer Einfahrt in Istanbul heute morgen stand die Queen Victoria im Hafen, das touristische Megaprogramm unter den Kreuzfahrtschiffen - und mittags kam noch so ein Dampfer eingefahren. Zwei Kleinstädte zusätzlich in der Millionenmetropole, die Routen sind überfüllt, Menschen schieben sich durch die Öffnungen, die vielen Öffnungen wohlgemerkt, die dennoch völlig überfüllt und verstopft sind.

Wir haben noch einen Tag, der letzte einer langen Reise, die mir vorkommt, als ob ich endlose Wochen unterwegs gewesen wäre und die doch eigentlich grade erst angefangen ist und nirgends richtig zu Ende gehen konnte.