Berta in Guise mit Lencafrauen 2013

Die Mörder kamen nach Mitternacht

In der Nacht zu Donnerstag, d. 3. März 2016 um ein Uhr, sind unbekannte Auftragskiller in Berta Caceres Haus in La Esperanza eingedrungen und haben sie umgebracht.

Ich bin zutiefst erschüttert und traurig. Berta gehörte zu den mir wichtigsten Personen in Honduras, mit der ich mich gerne traf, die ich gerne unterstützte und mit der es immer - trotz all der alltäglichen Gewalt - so viel zu lachen gab.

Sie gehörte zu den großen Menschenrechtsverteidigerinnen in Honduras, eine die schon seit Ewigkeiten trotz massiver Drohungen, weiter für die Rechte der Lencas sich einsetzte und nicht ins Exil ging, was viele ihr anrieten. Una luchadora - eine Kämpferin! Sie dachte, durch ihren großen internationalen Bekanntheitsgrad und die internationalen Menschenrechtsauszeichnungen, die sie im Laufe der Jahre erhielt, dass böte ihr Schutz. Sie hat sich getäuscht. Schmerzhaft, endgültig getäuscht. Heute Nacht wurde sie umgebracht. Ein furchtbares Zeichen, was ihre Mörder damit zu setzen suchen.

Sie hatte es befürchtet und wieder und wieder von den Bedrohungen gesprochen, die sie und ihre Mitstreiter*innen erhielten. Berta Cáceres, Mitte Vierzig und Anführerin der indigenen Organisation COPINH im westlichen Hochland von Honduras. Sie wusste, mit den Drohungen ist nicht zu spaßen. Schon mehrere ihrer Mitstreiter*innen wurden in den letzten Jahren umgebracht. Morde, durchgeführt von Auftragskillern oder auch von Sicherheitskräften in Auseinandersetzungen mit sozialen Bewegungen sind nicht unbedingt außergewöhnlich in Honduras. Es ist eines der Länder ganz oben aufgeführt in der Liste der hohen Mordraten weltweit. Es ist eines der Länder, in denen Straffreiheit zum alltäglichen Leben gehört. Es ist eines der Länder, in denen das Leben nicht wirklich viel wert ist. Berta Cáceres wusste das. Und sie wusste, dass sie auf der Liste stand. Der Liste derjenigen, die sogenannte „sicarios“, Auftragskiller losschicken, wenn ihnen Leute für die Umsetzung ihre Ziele im Weg stehen. Geltendes Recht spielt keine Rolle. Auch das Berta Cáceres eigentlich unter dem Schutz der Sicherheitskräfte stehen sollte, medidas cautelares - Schutz- oder Vorsorgemaßnahmen angeordnet vom Interamerikanischen Gerichtshof in Washington spielt in Honduras keine Rolle, wenn die Sicarios anrücken, wenn deren Auftrag läuft. Dann zählt nur noch der Tod des Zielopfers. In dieser Nacht vom 2.auf den 3 März war Berta das Zielopfer. Unbekannte bewaffnete drangen nach Mitternacht in ihre Wohnung ein und beendeten das Leben einer außergewöhnlichen Frau.

Zuletzt erhielt Berta Cáceres im Frühsommer 2015 in San Francisco den Goldman Umwelt Preis verliehen. Für ihr Engagement als Anführerin der Lenca Organisation COPINH. Und vor Allem für ihren hochgefährlichen Einsatz mit COPINH gegen den Bau des Staudammgroßprojektes Agua Zarca eines internationalen Konsortiums in der Region Rio Blanco auf Lenca Gemeindeland. Trotz massiver Repression, trotz mehrerer Toter im Verlauf des Widerstands, wehrt sich die in COPINH organisierte Lenca Bevölkerung seit Jahren gegen den Bau des Staudamms.

Doch das Betreiberunternehmen DESA hält weiterhin an diesem Staudammprojekt fest. Und trotz zahlreicher Menschenrechtsverletzungen und offener Briefe seitens internationaler und honduranischer Menschenrechtsgruppen, beteiligt sich das deutsche Unternehmen Siemens über ein Joint Venture mit Voith Hydro an diesem Agua Zarca Staudammprojekt. Außerdem erhält die Betreiberfirma eine Finanzierung der holländischen Entwicklungsbank FMO und der finnischen Bank FinnFund, obwohl sie über die Menschenrechtsverletzungen im Zuge des Projektes informiert worden waren.

Erst vergangene Woche sprach Berta Cáceres vor der Presse von weiteren Morden an Lencas. Und von Vertreibungsmaßnahmen.

Ihre Stimme war die Stimme dieser Widerstandsbewegung, die Stimme einer mutigen Frau, die für sich entschieden hat, trotz aller Drohungen auch gegen ihre Person, die Lencas in ihren widerständischen Aktionen zu unterstützen und durch ihre Arbeit auch international bekannt zu machen.

Dafür wurde Berta Cáceres in der Nacht zum 3. März erschossen.

 

Erika Harzer und Jutta Blume, 3.3.2016

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