Aktuelles

Cato Bontjes van Beek

Archiv Saskia Bontjes van Beek Cato Bontjes van Beek 1941
© Archiv Saskia Bontjes van Beek - Cato Bontjes van Beek, 1941

SWR2 Leben | 7.5.2021 um 15:05 Uhr

Eine Widerstandskämpferin und ihre heutige Bedeutung

Von Erika Harzer und Kalle Staymann

Neben Sophie Scholl von der Weißen Rose sind bundesweit nur wenige junge Frauen bekannt, die sich gegen den Faschismus wehrten. Die 23-jährige Cato Bontjes van Beek wurde 1943 in Berlin Plötzensee hingerichtet.

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Der Schlachthof

©Erika Harzer - Anlieferung der Schweine zum Schlachthof

SWR2 Leben | 15.2.2021 um 15:05 Uhr

Eine persönliche Auseinandersetzung

Von Erika Harzer und Kalle Staymann

Der Schlachthof liegt in einer Kleinstadt in Norddeutschland. Mehr als 4000 Schweine werden hier täglich geschlachtet. Vor Jahren war es ein kleiner Schlachtbetrieb mit festangestellten Mitarbeitern und überschaubaren Schlachtzahlen.

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Es fehlt jede Spur

Image Strassenblockade der Garifunas in Triunfo de la Cruz

Erstveröffentlichung: Amnesty Journal 4.1.2021 (Foto: OFRANEH)

Repression und Widerstand an der honduranischen Karibikküste

Im Juli 2020 wurden Landrechtsaktivisten entführt, die seitdem verschwunden sind. Nicht zum ersten Mal trifft es die indigene Bevölkerungsgruppe der Garífuna. Wenn er zu den Ereignissen vom 18. Juli in seinem Heimatort El Triunfo de la Cruz befragt wird, hat Cesar Benedith eine klare Antwort: "Es war eine perfekt vorbereitete Aktion."

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Für die Bewegung des nationalen Widerstands gegen den Putsch ein weiteres Zeichen dafür, dass diese unheilvolle Allianz aus Militärs, Unternehmern und konservativen Politikern, die am 28. Juni Präsident Zelaya mithilfe eines militärischen Überfallkommandos außer Land verschleppen ließen, und seither im Namen der Demokratie ihr Land zu regieren versuchen, die Demokratie mit Füßen tritt. Um Honduras von diesem Trauma der diktatorischen Machtübernahme zu befreien und zurück zur Rechtsstaatlichkeit zu führen, wird der Rahmen immer enger und die Möglichkeiten, dies ohne weiteres Blutvergießen zu schaffen, immer eingeschränkter. Die international nicht anerkannte defacto Regierung unter Roberto Micheletti rüstet auf. Verstärkte Militärpräsenz im ganzen Land und vor allem an den Grenzübergangsstellen zu Nicaragua sowie nächtliche Ausgangssperren im Grenzgebiet zu Nicaragua, und die Ablehnung jeglicher Verantwortung für die Sicherheit von Personen, die in gewalttätigen Auseinandersetzungen sich bewegen würden. Dazu die Drohung, Zelaya sofort bei Grenzübertritt verhaften zu wollen. Ob es ein letztes Aufbäumen ist einer eigentlich schon schwächelnden, international isolierten und innenpolitisch trotz martialischem Auftreten nicht zur Ruhe kommenden Putschgarde oder noch einer realen Stärke entspricht, hängt stark von den Ereignissen bis Samstag ab. Dann will Manuel Zelaya, begleitet von Verbündeten und einer Journalistenkolonne in seinem zweiten Rückkehr Versuche nach Honduras die Grenze tatsächlich überschreiten.

Im Vorfeld versucht die nationale widerständische Allianz aus Gewerkschaften, Bauernvereinigungen, dem Bloque Popular, ein linkes Bündnis zivilgesellschaftlicher Gruppen, Umweltorganisationen und Frauengruppen, indigenen Bündnissen, Studentengruppierungen und kleinen linken Splittergruppen, mit vereinten Kräften und vielfältigen Aktionen den Druck auf die Putschisten zu erhöhen. Landesweit riefen die Gewerkschaften für Donnerstag und Freitag zu einem 48stündigen Generalstreik auf. Mit Strassenblockaden in der Hauptstadt Tegucigalpa und der Wirtschaftsmetropole San Pedro Sula und an verschiedenen Verkehrsknotenpunkten des Landes und mit Besetzungen öffentlicher Gebäude und den Büros von Dienstleistungsgesellschaften, sollen die unternehmerischen Aktivitäten zum erliegen gebracht werden. Parallel dazu bewegen sich viele der Widerständischen in Richtung nicaraguanischer Grenze, um vor Ort zu sein, wenn Zelaya am Samstag die Grenze überschreiten sollte.

Von Managua aus verkündete Zelaya am Donnerstag, dass er nach dem Ablauf der Verlängerungsfrist der Vermittlungskommission von Oscar Arias und der inakzeptablen Haltung der Delegation um Roberto Micheletti, nicht länger seine Rückkehr nach Honduras verschieben will, trotz aller Drohungen der Putschisten gegen ihn. Er fürchte sich nicht um sein Leben, aber sollte ihm etwas zustoßen, liege die Verantwortung dafür bei den Putschisten. Unbewaffnet und mit der Fahne des Friedens wolle er in Honduras dafür sorgen, dass dieses Land wieder zur Normalität unter ihm als dem gewählten und legitimen Präsidenten zurückfinden könne.

Die Menschenrechtsorganisation FIAN warnte in einer ersten Stellungnahme nach dem Scheitern der Vermittlungsversuche vor einem Bürgerkrieg in Honduras. Martin Wolpold-Bosien, Mittelamerikareferent von FIAN, hält sich seit dem 19. Juli als Teilnehmer einer internationalen Menschenrechtsdelegation in Honduras auf, um vor Ort die „zahlreichen Hinweise auf Menschenrechtsverletzungen im Gefolge des Staatsstreichs zu überprüfen und Schutzmaßnahmen vorzuschlagen.“ Angesichts der Zuspitzung fordert er dringlich die Einschaltung des UN-Sicherheitsrat, „um eine Eskalation der Gewalt zu verhindern.“

Innerhalb der knapp vier Wochen, seit diese unheilvolle Allianz aus Militärs, Unternehmern und konservativen Politikern dieses mittelamerikanische Land ins Putschzeitalter zurückbeamten, wurden mehr als 1000 Personen verhaftet, 59 verletzt und 3 Menschen getötet, zitiert die Menschenrechtsorganisation FIAN aus dem ihnen von honduranischen Organisationen zusammengestellten Daten. Vor allem im Landesinneren häufen sich willkürliche Übergriffe der Sicherheitskräfte gegenüber den Demonstranten. Und trotz martialischer Aufmärsche von bewaffneten Soldaten und Polizisten, durch patrouillierende Panzer, nächtliche Ausgangssperren und Gleichschaltung der Medien als Stabilitätsträger der Putschisten, gelang es diesen bisher nicht, eine Normalität zu garantieren, die sie gerne der internationalen Öffentlichkeit präsentieren würden, dann, wenn sie davon reden, dass es sich bei ihrer Machtübernahme in Honduras nicht um einen Putsch handele. Und sie können es auch nicht verhindern, dass Informationen über verschleppte Journalisten, Politiker und Anführer von sozialen Bewegungen an die internationale Öffentlichkeit gelangen, ebenso wie die Bilder des Todesschusses am Flughafen Toncontin, als ein 19jähriger Demonstrant gezielt von Militärs erschossen wurde.

So massiv sich auch der nationale Widerstand organisiert und auf den Strassen agiert, eine Lösung ohne Zuspitzung der Gewalt kann es nur geben, wenn die Allianz der Putschisten zu schwächeln beginnt. Innerhalb der Militärs gibt es bisher keine Anzeichen von Abgrenzungen gegenüber der Putschunterstützenden Rolle. Eine weitere Zuspitzung der internationalen Isolierung, könnte, so die Hoffnung der streikenden Gewerkschafter, die am Putsch involvierten Unternehmern zum Umdenken bringen. Von daher fordern sie von sämtlichen Regierungen, von der Weltbank, der interamerikanischen und zentralamerikanischen Bank und der AID, dass sie sofort alle offiziellen Hilfeleistungen an die defacto Regierung einstellen mit Ausnahme der Fonds, die direkt an zivilgesellschaftliche Organisationen gerichtet sind und das sämtliche mit der Regierung vereinbarte Kredite auf Eis gelegt werden.

Auch von Präsident Obama werden klarere Positionen erwartet. Das machten Vertreterinnen der Frauengruppen im Widerstand bei einer Aktion am 22. Juli vor der nordamerikanischen Botschaft deutlich. In einem offenen Brief fordern sie Präsident Obama zu einer klaren Ablehnung der Putschregierung auf, verbunden mit Maßnahmen seitens der nordamerikanischen Regierung, die den Weg hin zur Wiederherstellung der Verfassungsmäßigen Ordnung und der Wiederaufnahme der Amtsgeschäfte durch den gewählten Präsidenten Manuel Zelaya öffnen. Und sie wollen Klarheit darüber, welche Rolle verschiedene Personen und Instanzen der Regierung Obama beim Putsch gespielt haben und immer noch spielen. “Es kursieren Informationen, die offen legen, dass sowohl Diplomaten ihres Landes, wie auch Mitglieder von Unternehmerkreisen und der Republikanischen Partei, ebenso wie des Geheimdienstes Ihrer Regierung, nicht nur über vorab Informationen bezüglich des Militärputsches verfügten, sondern als intellektuelle Mitautoren dieses Putsches agierten,“ erläutern die Frauen dazu in ihrem Brief und stellen fest: „sollte dies stimmen, dann gelten die USA und Ihre Regierung als Verbündete des gewalttätigen Bruchs der verfassungsmäßigen Ordnung in Honduras und des bereits begonnenen Blutvergießens.“ Sie kritisieren die bisher nur zögerlich vorgenommene Ablehnung des Putsches, die durch diese Indifferenz die Putschisten stärkt und zu gewalttätigen Auseinandersetzung führen könne.

Moralische Legitimation erhalten Roberto Micheletti und sein international nicht anerkanntes Kabinett von Anfang an durch die FDP nahe Friedrich Naumann Stiftung/FNS. In mehreren Berichten „aus aktuellem Anlass“ sucht deren Repräsentant Christian Lüth die rechtswidrigen Handlungen der Micheletti-Gruppe zu legitimieren, verbunden mit Andeutungen zu möglichen militärischen Einmischungen aus Mitgliedsländern des ALBA-Bündnisses, dem Honduras unter Leitung von Zelaya im August 2008 beigetreten ist. Schon ein Tag nach dem Putsch, am 29. Juni, titelte die Einschätzung im FNS Bericht von Christian Lüth mit der Überschrift „Die Legende vom Militärputsch in Honduras dient vor allem ‚Mel’ Zelaya“, dem dann die Einleitung „’Mel’ Zelaya ist angeblich Opfer eines gewaltsamen Putsches des Militärs geworden,“ folgte. Darüber hinaus konstatierte Lüth am gleichen Tag, „es herrscht derzeit die Befürchtung, dass er (Mel Zelaya) versuchen wird, mit Hilfe von nicaraguanischen Truppen und im südlichen Nachbarland stationierten venezolanischen Truppen die Macht in Honduras wiederzuerlangen.“ Am 2. Juli schrieb Lüth in seiner zweiten Lageeinschätzung: „Als ungeschickt ist nach wie vor die Nacht- und Nebelaktion der Staatsanwalt mit Hilfe des Militärs vom vergangenen Sonntagmorgen zu bewerten.“ Und am 14. Juli beschreibt Lüth, „derweil ist Honduras zur absoluten Normalität zurückgekehrt.“ Man kann nur hoffen, dass diese „Normalität“ der Putschisten mit ihren Panzern, Scharfschützen, massiver Militär- und Polizeipräsenz und eingeschränkten Bürgerrechten das kleine bitterarme Land nicht in einen Bürgerkrieg führt.

filme

Der Geist ruft aus der Ferne

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Ein Film von Rainer Hoffmann u. Erika Harzer

Dienstag, 14.5.2019, 18.00 h im Ibero/Amerikanischen Institut Berlin, Simón-Bolívar-Saal
Film und Gespräch mit den Regisseur*innen

Das 19. Jahrhundert mit seiner Kolonialpolitik prägt auch das Bild der Schweiz. Entdecker, Naturforscher und Geschäftsleute erobern neue Welten in Übersee. Sie bringen Kakao, Baumwolle und exotische Pflanzen in die Alte Welt. Unter den mitgebrachten Kolonialwaren befinden sich auch Kulturschätze aus vorchristlichen Zeiten.

 

Das Terrassenwunder von Peru

ARTE - 360° - GEO Reportage
Ein Film von Erika Harzer u. Kalle Staymann
Kamera: Thomas Keller
Erstausstrahlung: Oktober 2015

Aktuelle Sendetermine

17.2.2020 um 10.30 Uhr

Im Hochland von Peru, 140 Kilometer von Lima entfernt, sprudelt der Río Cañete mit unerschöpflich anmutendem Wasserreichtum durchs Tal. An seiner Mündung öffnet sich eine riesige, kaum bekannte Terrassenlandschaft: Jahrtausendealt, offensichtlich als Kornkammer uralter Vor-Inka-Völker über Hunderte Höhenmeter in den Berg eingearbeitet.

 

Raus aus der Abhängigkeit

INKOTA Netzwerk
Regie: Erika Harzer
Juli 2014

Die starken Frauen von Xochilt Acalt

Weitere Informationen über das Frauenzentrum Xochilt Acalt [hier...]

radio features

Cato Bontjes van Beek

Archiv Saskia Bontjes van Beek Cato Bontjes van Beek 1941
© Archiv Saskia Bontjes van Beek - Cato Bontjes van Beek, 1941

SWR2 Leben | 7.5.2021 um 15:05 Uhr

Eine Widerstandskämpferin und ihre heutige Bedeutung

Von Erika Harzer und Kalle Staymann

Neben Sophie Scholl von der Weißen Rose sind bundesweit nur wenige junge Frauen bekannt, die sich gegen den Faschismus wehrten. Die 23-jährige Cato Bontjes van Beek wurde 1943 in Berlin Plötzensee hingerichtet.

 

Der Schlachthof

©Erika Harzer - Anlieferung der Schweine zum Schlachthof

SWR2 Leben | 15.2.2021 um 15:05 Uhr

Eine persönliche Auseinandersetzung

Von Erika Harzer und Kalle Staymann

Der Schlachthof liegt in einer Kleinstadt in Norddeutschland. Mehr als 4000 Schweine werden hier täglich geschlachtet. Vor Jahren war es ein kleiner Schlachtbetrieb mit festangestellten Mitarbeitern und überschaubaren Schlachtzahlen.

 

Ciudad Juarez in Mexiko

Ciudad Juarez Altstadt Graffitis fuer ermordete Frauen 1170x450

DLF Kultur | 9.9.2020 um 18:30 Uhr - Weltzeit

Eine Stadt und ihre Mörder

Von Kathrin Zeiske und Erika Harzer

Das Image der Grenzstadt Ciudad Juarez im Norden Mexikos könnte schlechter nicht sein: Brutale Serienmorde an Frauen haben die Stadt international bekannt gemacht.

printmedien

Es fehlt jede Spur

Image Strassenblockade der Garifunas in Triunfo de la Cruz

Erstveröffentlichung: Amnesty Journal 4.1.2021 (Foto: OFRANEH)

Repression und Widerstand an der honduranischen Karibikküste

Im Juli 2020 wurden Landrechtsaktivisten entführt, die seitdem verschwunden sind. Nicht zum ersten Mal trifft es die indigene Bevölkerungsgruppe der Garífuna. Wenn er zu den Ereignissen vom 18. Juli in seinem Heimatort El Triunfo de la Cruz befragt wird, hat Cesar Benedith eine klare Antwort: "Es war eine perfekt vorbereitete Aktion."

 

Wenn Kinder nur noch weg wollen

 1411 karawane bahngleise chontalpa

Der mittelamerikanische Exodus

Von Erika Harzer 2015 – Vorlage für Radiofeature für BR / DLF /WDR

Rede Barack Obama vom 9.7.2014

Wir stellen hier zwei Dinge fest: Erstens, die Zunahme von unbegleiteten Kindern und Eltern mit Kindern, die über die Grenze am Rio Grande kommen. Zweitens, dass diese Menschen sich nicht vor unseren Grenzschutzbeamten verstecken. Wir verhaften Sie in großer Anzahl.

 

Internationaler Tag der Verschwundenen

Omar Garcia bei der Migranten Karawane in Italien

Ein Paar Gedanken zum internationalen Tag der Verschwundenen am 30. August 2020

Von der Straße weg entführt, zu Hause abgeholt, während einer Demonstration festgenommen. Wahrscheinlich gefoltert. Keine Angaben über den Verbleib. Für immer verschwunden?

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