Aktuelles

  • Wo Land und Wasser zusammenfliessen

    WDR5 Neugier genügt

    Reisefeature (15 min.) am Samstag 16. September 2017 zwischen 10.05 bis 11.00 Uhr

    Wiederholung am Sonntag 17.9. um 16.05 Uhr

    eine Reise zu den Cayos Cochinos, den honduranischen "Schweineinseln" und der dortigen Inselschule

    Produktion: WDR 2017

    [WDR5 Neugier genügt...]

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  • Die Frauen von Malpaisillo in Nicaragua

    SWR2 Tandem | 26.9.2017 um 10.05 Uhr

    Frauenpower im Macholand

    Seit Anfang der 1990er-Jahre gibt es in Malpaisillo das Frauenprojekt Xochilt Acatl. Inés Yolanda Garcia Rojas war 19, Analphabetin und bereits Mutter von drei Kindern, als sie dort an einer Fortbildung teilnahm. Heute ist sie 41 und wird bald die Leitung des Projekts übernehmen, das sich um die Stärkung von Frauenrechten, um Fortbildung und ökonomische Eigenständigkeit kümmert. Für Frauen wie Ines, für landwirtschaftliche Kleinproduzentinnen.
    SWR 2017 / Red.: Ellinor Krogmann

     
  • Die Freiheit ist weit weg

     1411 karawane bahngleise chontalpa

    SWR2 Tandem | 10.8.2017 um 10.05 Uhr

    Der Exodus mittelamerikanischer Kinder

    In den US-amerikanischen Abschiebezentren sitzen nicht nur Erwachsene, auch illegal eingewanderte Kinder und Jugendliche werden dort festgesetzt. Sie hatten die „Todesstrecke“ durch Mexiko durchquert, manche alleine, die meisten mit Schleppern. Voller Hoffnung auf ein besseres, ein angstfreies Leben machten sie sich in Guatemala, El Salvador oder Honduras auf den Weg. Der frühere US-Präsident Obama forderte mehr Grenzkontrollen. Der jetzige, Donald Trump will an der Grenze zu Mexiko eine Mauer bauen. Erika Harzer hat recherchiert, welchen Gefahren die Kinder und Jugendlichen auf dem Weg in Richtung Norden ausgesetzt sind.
    SWR 2015 / Red.: Ellinor Krogmann

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An diesem Tag ist es auf dem kleinen Flughafen die dritte Maschine "außer der Reihe" mit besonderer Ladung. Normalerweise kommt eine Maschine pro Tag, manchmal sind es zwei. Unscheinbar und doch dominant bewegt sich Valdete Wilemann durch die verloren wirkenden Menschen, die aus einem kleinen Gepäckcontainer ihre Plastik- oder Papiertüten mit dem wenigen mitgebrachten Hab und Gut heraussuchen. Die Brasilianerin Valdete Wilemann ist Schwester des Scalabrinerordens und Leiterin der Auffangstelle für abgeschobene Migranten und Migrantinnen in Tegucigalpa. Seit vier Jahren arbeitet sie in dem 1999 gegründeten Zentrum, einem Ort, der dieser Hoffnungslosigkeit wenigstens für Minuten einen freundlichen Rahmen zu geben sucht.

Neuer Überlebenskampf
Mit ruhiger Stimme dirigiert eine freiwillige Helferin die Ankommenden in den Warteraum: die Männer nach links, die Frauen nach rechts. Ängstliche Blicke in müden Gesichtern, Menschen mit verschlissenen Jeans, ausgebeulten Trainingshosen, mit Turnschuhen ohne Schnürsenkel - eine Sicherheitsmaßnahme vor dem Flug. In ihren Händen halten sie einfache Tüten aus Papier oder Plastik, auf denen mit Filzstiften ihre Namen geschrieben stehen. Darinnen stecken die Reste des geplatzten amerikanischen Traums: ein Hemd, Notizbücher, Schlappen, Rasierwasser, Deodorant. Alle in diesem kleinen Warteraum verbindet das gleiche Schicksal, und die meisten auch gut ein Monat gemeinsame Abschiebehaft. Doch nach Verlassen des Gebäudes werden sie, jede und jeder für sich, ihren neuen Überlebenskampf aufnehmen.
Diana wird an die Nordküste fahren, dort kommt sie her, dort wohnen Verwandte. Es ist die völlig verarmte Region um Tocoa, in der die Drogenbosse und die Holzmafia über das Leben bestimmen.
Diana ist schwanger, deshalb hat sie noch eine zusätzliche kleine Plastiktüte von der Abschiebebehörde erhalten - mit Medikamenten für den Heimweg. Sie war 17, als sie loszog, um in den USA den Traum zu suchen, ohne Visa, ohne Papiere und ohne bezahlten Schlepper. Mit einer Freundin machte sich Diana damals auf den Weg durch Guatemala und Mexiko. Alles ging gut. Sie kamen an; ihre Minderjährigkeit schützte sie vor direkter Abschiebung. Fünf Jahre lebte sie in North Carolina, heiratete einen Landsmann und bekam zwei Kinder, die beide die US-Staatsbürgerschaft besitzen. "Ich hatte eigentlich immer Jobs", erzählt sie. Dann kommt ihr Aufruf: Erst wird sie von Angestellten der honduranischen Migrationsbehörde zu ihren Daten befragt, dann von den Scalabrinern über ihre Behandlung während Abschiebehaft und Deportation.
Zuletzt arbeitete Diana bei Burger King an der Kasse bis zu dem Moment, "dieser verdammten Dummheit mit ihren fatalen Folgen." Wie immer fuhr sie von der Arbeit nach Hause. Es dämmerte, sie hatte kein Licht an. Eine Polizeistreife stoppte sie. So flog sie auf. "Dein Blut beginnt zu kochen, dein Herz überschlägt sich, die Angst kriecht dir in den Hals und lässt kein Wort mehr zu. Du weißt, das ist das Ende", erinnert sie sich. Sie kam sofort in Abschiebehaft, seither ist sie getrennt von den Kindern in den USA, ohne Vorstellung davon, was auf sie zukommt.
Zurück will sie nicht, nach all der Entwürdigung, die sie in den letzten Wochen erlebt hat. Aber sie will mit den Kindern und ihrem Mann zusammenleben. "Bloß wo? In Honduras vielleicht?" Sie glaubt nicht daran, hier Arbeit zu finden, von der eine bald fünfköpfige Familie leben könnte. "Es würden doch nicht so viele Leute versuchen, in die USA zu kommen, wenn sie hier ihr Einkommen hätten".
Die Armut ist in Honduras seit Dianas Weggang größer denn je. Von den 7,5 Millionen Einwohnern des Landes leben weit über zwei Drittel unterhalb der Armutsgrenze, davon gut die Hälfte in extremer Armut. Die globalisierte Welt hat den Arbeitsmarkt umgewälzt, in der Landwirtschaft sank der Bedarf an Arbeitskräften. Billiglohnfabriken in Ballungszentren raubten vielen Kleinhandwerkern die Basis.
Untersuchungen zufolge steigen die Migrantenzahlen aus Honduras am stärksten im Vergleich zu anderen mittelamerikanischen Ländern: Rund 270 Menschen machen sich täglich auf den Weg. Nur die wenigstens kommen beim ersten Versuch an.
In der Auffangstelle für Abgeschobene am Flughafen von Tegucigalpa leert sich der Wartesaal. Am Ausgang kontrollieren zivil gekleidete Polizisten die Menschen. Wer keine Tattoos hat, dem wird eine gute Heimreise gewünscht. Wer tätowiert ist, muss hier noch einmal Daten angeben und wird auf Vorstrafen oder Haftbefehle überprüft.
Im Büro von Valdete Wileman rufen Einzelne ihre Angehörigen an: "Bin grad in Tegucigalpa angekommen und auf dem Weg nach Hause." Eine kurze Mitteilung und doch schicksalhaft. Sie besagt: keine Arbeit mehr, kein Geld, ein Esser mehr zu Hause.
Valdete Wileman spricht von einer explosiven Situation. 2 610 Menschen wurden im Jahr 2000 abgeschoben, 24 643 waren es 2006 und diese Zahlen beziehen sich nur auf die Abschiebungen per Luft. Die Zahlen sagen auch: Die ohnehin erdrückende Arbeitslosigkeit steigt täglich. Hinzu kommen die vielen per Bus Zurücktransportierten, die bereits in Mexiko gescheitert sind. Wie zum Beispiel Marvin Joel Soler, 18, aus Comayagua.
Marvin war 14, als er mit seinem älteren Bruder "die Strecke machen" wollte. In Chiapas, im südlichen Mexiko, stürzte er vom Zug und kam unter die Räder. Sein linkes Bein wurde unterhalb des Knies amputiert. Aus der Traum. Er kam unter in der Herberge zum guten Hirten in Tapachula, bis er über Spenden eine Prothese erhielt. Dann wollte er nach Hause, "irgendwie etwas machen, irgendwie nützlich sein", erzählt er im Haus seiner Mutter in einem der Randviertel Comayaguas. Dort wohnen diejenigen, die nicht wissen, was sie morgen essen können. Marvin fand ein paar Tagelöhnerjobs, aber keine richtige Arbeit. Als Ältester der anwesenden fünf Geschwister ist er seiner Mutter keine Stütze. Marvins weite lange Hose verdeckt das verlorene Bein. In seinen Träumen und im Alltag verfolgt ihn der Unfall. Seine Amputationswunde hat er seit der Anpassung der Prothese nie untersuchen lassen.

Hintergrundinformationen
Illegal und unverzichtbar
5,1 Millionen Mittelamerikaner leben in den USA, dem Hauptzielland der Migranten. Mehr als 1,1 Millionen von ihnen sind Honduraner, davon über die Hälfte ohne Papiere. Von den über 40 Millionen in den USA lebenden Hispanics aus ganz Lateinamerika haben schätzungsweise gut elf Millionen Menschen keine Papiere.
Für ihre Heimatländer bringen sie Gewinn: Allein für das Jahr 2006 beziffert die honduranische Zentralbank die Geldtransfers von Migranten nach Honduras auf 2,359 Milliarden Dollar, knapp 25 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Die Einnahmen aus Exportgeschäften erbringen etwa 21,4 Prozent, die der Billiglohnindustrie 11,5 Prozent und der Tourismus 5,3 Prozent.

 

© Berliner Zeitung

 

filme

  • Das Terrassenwunder von Peru

    Das Terrassenwunder von Peru

    ARTE - 360° - GEO Reportage
    Ein Film von Erika Harzer u. Kalle Staymann
    Kamera: Thomas Keller
    Erstausstrahlung: Oktober 2015
    Nächste Sendetermine: ARTE 12. Juni 2017 10:15 Uhr, 17. Juni 2017 8:55 Uhr, 29. Juni 2017 7:45 Uhr

    Im Hochland von Peru, 140 Kilometer von Lima entfernt, sprudelt der Río Cañete mit unerschöpflich anmutendem Wasserreichtum durchs Tal. An seiner Mündung öffnet sich eine riesige, kaum bekannte Terrassenlandschaft: Jahrtausendealt, offensichtlich als Kornkammer uralter Vor-Inka-Völker über Hunderte Höhenmeter in den Berg eingearbeitet.

    [ARTE TV...]

     
  • Der Geist ruft aus der Ferne

    Ekeko 870x335

    Der Geist ruft aus der Ferne

    Ein Film von Rainer Hoffmann u. Erika Harzer
    Dokumentarfilm (Okt. 2015)
    Produktion: PS Film GmbH, Schweizer Radio & Fernsehen - SRF

    Erstausstrahlung: November 2015

    Das 19. Jahrhundert mit seiner Kolonialpolitik prägt auch das Bild der Schweiz. Entdecker, Naturforscher und Geschäftsleute erobern neue Welten in Übersee. Sie bringen Kakao, Baumwolle und exotische Pflanzen in die Alte Welt. Unter den mitgebrachten Kolonialwaren befinden sich auch Kulturschätze aus vorchristlichen Zeiten. Der berühmte Schweizer Naturforscher, Linguist und Diplomat Johann Jakob von Tschudi, zurück von seiner letzten Reise nach Südamerika, hat eine kleine Steinfigur aus Tiahuanaco Bolivien im Gepäck. Heute befindet sich diese Steinskulptur im Bernischen Historischen Museum.

    [SWISS FILMS...]

     
  • Raus aus der Abhängigkeit

    INKOTA Netzwerk
    Regie: Erika Harzer
    Juli 2014

    Die starken Frauen von Xochilt Acalt

    Weitere Informationen über das Frauenzentrum Xochilt Acalt [hier...]

radio features

  • Wo Land und Wasser zusammenfliessen

    WDR5 Neugier genügt

    Reisefeature (15 min.) am Samstag 16. September 2017 zwischen 10.05 bis 11.00 Uhr

    Wiederholung am Sonntag 17.9. um 16.05 Uhr

    eine Reise zu den Cayos Cochinos, den honduranischen "Schweineinseln" und der dortigen Inselschule

    Produktion: WDR 2017

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  • Die Frauen von Malpaisillo in Nicaragua

    SWR2 Tandem | 26.9.2017 um 10.05 Uhr

    Frauenpower im Macholand

    Seit Anfang der 1990er-Jahre gibt es in Malpaisillo das Frauenprojekt Xochilt Acatl. Inés Yolanda Garcia Rojas war 19, Analphabetin und bereits Mutter von drei Kindern, als sie dort an einer Fortbildung teilnahm. Heute ist sie 41 und wird bald die Leitung des Projekts übernehmen, das sich um die Stärkung von Frauenrechten, um Fortbildung und ökonomische Eigenständigkeit kümmert. Für Frauen wie Ines, für landwirtschaftliche Kleinproduzentinnen.
    SWR 2017 / Red.: Ellinor Krogmann

     
  • Die Freiheit ist weit weg

     1411 karawane bahngleise chontalpa

    SWR2 Tandem | 10.8.2017 um 10.05 Uhr

    Der Exodus mittelamerikanischer Kinder

    In den US-amerikanischen Abschiebezentren sitzen nicht nur Erwachsene, auch illegal eingewanderte Kinder und Jugendliche werden dort festgesetzt. Sie hatten die „Todesstrecke“ durch Mexiko durchquert, manche alleine, die meisten mit Schleppern. Voller Hoffnung auf ein besseres, ein angstfreies Leben machten sie sich in Guatemala, El Salvador oder Honduras auf den Weg. Der frühere US-Präsident Obama forderte mehr Grenzkontrollen. Der jetzige, Donald Trump will an der Grenze zu Mexiko eine Mauer bauen. Erika Harzer hat recherchiert, welchen Gefahren die Kinder und Jugendlichen auf dem Weg in Richtung Norden ausgesetzt sind.
    SWR 2015 / Red.: Ellinor Krogmann

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printmedien

  • Verschwinden heißt weg sein – heißt unauffindbar sein

    Omar Garcia bei der Migranten Karawane in Italien

    Kurz vor Weihnachten 2016 nannte die Internationale Organisation für Migration (IOM) solche Zahlen. Knapp 7.300 Menschen, so die IOM, seien seit Jahresbeginn auf der Flucht verschwunden oder ums Leben gekommen. Über 4.900 davon alleine im Mittelmeer. Es sind die dokumentierten Zahlen. Die vielen kleinen Boote, denen irgendwann, irgendwo der Motor ausfiel, die Luft ausging, und die auf ihnen befindlichen Menschen ins Meer auskippte, sind darin nicht erwähnt. Wir können darüber nur vermuten, spekulieren, schätzen. Daraus ergeben sich ungenaue, angenommene Zahlen. Zahlen von Menschen, die verschwunden sind. Menschen, die für ihre Angehörige unauffindbar werden. Die einfach weg sind, abhandengekommen. Irgendwo, irgendwann.
     
  • Preisverleihungen

    Wenn Kinder nur noch weg wollen – Der mittelamerikanische Exodus

    Für dieses 55 Minuten andauernde Radiofeature war ich im November und Dezember 2014 in Mexiko, Guatemala und Honduras unterwegs. Es waren mehrere tausend Kilometer Weg, die ich zwischen und in den Ländern gereist bin, um mir die Geschichte der Menschen anzuhören, die in diesem Stück zu Wort kommen sollten. Menschen auf der Flucht, die Familie, Heimat, ihr gewohntes Leben zurück gelassen hatten, die unterwegs waren mit viel Angst und doch auch Hoffnung, mit ihrer Flucht oder ihrem Weggang ein anderes Leben finden zu können.

    Nachhören auf BR-Bayern 2 Kultur...

     
  • Verschollen

    Image: Italien verschollen [Foto: Erika Harzer]

    Mexiko / Italien

    Wie in Mexiko macht nun auch in Italien eine internationale Karawane auf die Opfer der Abschottungspolitik aufmerksam

    Die Aula der staatlichen Handelsakademie von Casal del Principe ist vollbesetzt. In der Kleinstadt nördlich von Neapel, die international vor allem wegen ihrer Verbindung zur Mafiaorganisation Camorra bekannt wurde, ist eine außergewöhnliche Veranstaltung angekündigt: die italienische Karawane für die Rechte der Migranten, für Würde und Gerechtigkeit macht Station.

Termine

Zukünftige Termine

24. Sep 2017 05:00 – 05:30
Laraos, Peru

26. Sep 2017 10:00 – 10:30
Malpaisillo, Nicaragua

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