Aktuelles

Miriam Miranda

MIriam Miranda Preisverleihung FES 27.11.2019


Die Rebellin der Karibikküste

Am 27. November überreicht die Friedrich Ebert Stiftung ihren Menschenrechtspreis 2019 an die Honduranerin Miriam Miranda, die sich seit über 30 Jahren für die Rechte der Garifunas einsetzt.

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Wohnen Rente auf Kosten anderer

Transparent Rigaer Str. 35 (Foto: Erika Harzer)

SWR2 Leben - 5. Dez. 2019, 15.05 Uhr

Wie der Immobilienmarkt Gewinner und Verlierer produziert

"Wollen Sie sich Ihren Lebensabend auf Kosten von Berliner Mietern finanzieren?" Diese Frage steht in rund 1000 E-Mails, abgesendet von Berlinern, deren Miete um 300 Prozent erhöht werden soll. Empfänger sind Zahnärzt*innen in Schleswig-Holstein, die für ihre Rente in ein Versorgungswerk investiert haben, das auf Immobilien setzt. Indirekt und ohne es zu wissen, wird ihr Geld zum Nachteil der Berliner Mieter vermehrt. Ein perfides Gewinn- und Verlustspiel, wie es tausendfach passiert - nur dass die Protagonisten normalerweise nicht miteinander Kontakt aufnehmen.

[SWR2 Leben...]

 

Miriam Miranda

Miriam Miranda mit Garifuna Frauen u Männer vor Kongress in Honduras (Foto: Erika Harzer)

WDR5 Neugier genügt

Ein 8 minütiger Beitrag am 27. Nov. zwischen 10 - 12 Uhr

Die Rebellin der Karibikküste

Kurzgeschichte zu Miriam Miranda und der Menschenrechtspreis der Friedrich-Ebert Stiftung

Am Mittwoch, 27. November überreicht die Friedrich Ebert Stiftung in Berlin ihren diesjährigen Menschenrechtspreis an die Honduranerin Miriam Miranda, Angehörige der indigenen Garifunas. Seit über 30 Jahren setzt sich Miranda für die Rechte der Garifunas ein.

[WDR5 Neugier genügt...]

 

An diesem Tag ist es auf dem kleinen Flughafen die dritte Maschine "außer der Reihe" mit besonderer Ladung. Normalerweise kommt eine Maschine pro Tag, manchmal sind es zwei. Unscheinbar und doch dominant bewegt sich Valdete Wilemann durch die verloren wirkenden Menschen, die aus einem kleinen Gepäckcontainer ihre Plastik- oder Papiertüten mit dem wenigen mitgebrachten Hab und Gut heraussuchen. Die Brasilianerin Valdete Wilemann ist Schwester des Scalabrinerordens und Leiterin der Auffangstelle für abgeschobene Migranten und Migrantinnen in Tegucigalpa. Seit vier Jahren arbeitet sie in dem 1999 gegründeten Zentrum, einem Ort, der dieser Hoffnungslosigkeit wenigstens für Minuten einen freundlichen Rahmen zu geben sucht.

Neuer Überlebenskampf
Mit ruhiger Stimme dirigiert eine freiwillige Helferin die Ankommenden in den Warteraum: die Männer nach links, die Frauen nach rechts. Ängstliche Blicke in müden Gesichtern, Menschen mit verschlissenen Jeans, ausgebeulten Trainingshosen, mit Turnschuhen ohne Schnürsenkel - eine Sicherheitsmaßnahme vor dem Flug. In ihren Händen halten sie einfache Tüten aus Papier oder Plastik, auf denen mit Filzstiften ihre Namen geschrieben stehen. Darinnen stecken die Reste des geplatzten amerikanischen Traums: ein Hemd, Notizbücher, Schlappen, Rasierwasser, Deodorant. Alle in diesem kleinen Warteraum verbindet das gleiche Schicksal, und die meisten auch gut ein Monat gemeinsame Abschiebehaft. Doch nach Verlassen des Gebäudes werden sie, jede und jeder für sich, ihren neuen Überlebenskampf aufnehmen.
Diana wird an die Nordküste fahren, dort kommt sie her, dort wohnen Verwandte. Es ist die völlig verarmte Region um Tocoa, in der die Drogenbosse und die Holzmafia über das Leben bestimmen.
Diana ist schwanger, deshalb hat sie noch eine zusätzliche kleine Plastiktüte von der Abschiebebehörde erhalten - mit Medikamenten für den Heimweg. Sie war 17, als sie loszog, um in den USA den Traum zu suchen, ohne Visa, ohne Papiere und ohne bezahlten Schlepper. Mit einer Freundin machte sich Diana damals auf den Weg durch Guatemala und Mexiko. Alles ging gut. Sie kamen an; ihre Minderjährigkeit schützte sie vor direkter Abschiebung. Fünf Jahre lebte sie in North Carolina, heiratete einen Landsmann und bekam zwei Kinder, die beide die US-Staatsbürgerschaft besitzen. "Ich hatte eigentlich immer Jobs", erzählt sie. Dann kommt ihr Aufruf: Erst wird sie von Angestellten der honduranischen Migrationsbehörde zu ihren Daten befragt, dann von den Scalabrinern über ihre Behandlung während Abschiebehaft und Deportation.
Zuletzt arbeitete Diana bei Burger King an der Kasse bis zu dem Moment, "dieser verdammten Dummheit mit ihren fatalen Folgen." Wie immer fuhr sie von der Arbeit nach Hause. Es dämmerte, sie hatte kein Licht an. Eine Polizeistreife stoppte sie. So flog sie auf. "Dein Blut beginnt zu kochen, dein Herz überschlägt sich, die Angst kriecht dir in den Hals und lässt kein Wort mehr zu. Du weißt, das ist das Ende", erinnert sie sich. Sie kam sofort in Abschiebehaft, seither ist sie getrennt von den Kindern in den USA, ohne Vorstellung davon, was auf sie zukommt.
Zurück will sie nicht, nach all der Entwürdigung, die sie in den letzten Wochen erlebt hat. Aber sie will mit den Kindern und ihrem Mann zusammenleben. "Bloß wo? In Honduras vielleicht?" Sie glaubt nicht daran, hier Arbeit zu finden, von der eine bald fünfköpfige Familie leben könnte. "Es würden doch nicht so viele Leute versuchen, in die USA zu kommen, wenn sie hier ihr Einkommen hätten".
Die Armut ist in Honduras seit Dianas Weggang größer denn je. Von den 7,5 Millionen Einwohnern des Landes leben weit über zwei Drittel unterhalb der Armutsgrenze, davon gut die Hälfte in extremer Armut. Die globalisierte Welt hat den Arbeitsmarkt umgewälzt, in der Landwirtschaft sank der Bedarf an Arbeitskräften. Billiglohnfabriken in Ballungszentren raubten vielen Kleinhandwerkern die Basis.
Untersuchungen zufolge steigen die Migrantenzahlen aus Honduras am stärksten im Vergleich zu anderen mittelamerikanischen Ländern: Rund 270 Menschen machen sich täglich auf den Weg. Nur die wenigstens kommen beim ersten Versuch an.
In der Auffangstelle für Abgeschobene am Flughafen von Tegucigalpa leert sich der Wartesaal. Am Ausgang kontrollieren zivil gekleidete Polizisten die Menschen. Wer keine Tattoos hat, dem wird eine gute Heimreise gewünscht. Wer tätowiert ist, muss hier noch einmal Daten angeben und wird auf Vorstrafen oder Haftbefehle überprüft.
Im Büro von Valdete Wileman rufen Einzelne ihre Angehörigen an: "Bin grad in Tegucigalpa angekommen und auf dem Weg nach Hause." Eine kurze Mitteilung und doch schicksalhaft. Sie besagt: keine Arbeit mehr, kein Geld, ein Esser mehr zu Hause.
Valdete Wileman spricht von einer explosiven Situation. 2 610 Menschen wurden im Jahr 2000 abgeschoben, 24 643 waren es 2006 und diese Zahlen beziehen sich nur auf die Abschiebungen per Luft. Die Zahlen sagen auch: Die ohnehin erdrückende Arbeitslosigkeit steigt täglich. Hinzu kommen die vielen per Bus Zurücktransportierten, die bereits in Mexiko gescheitert sind. Wie zum Beispiel Marvin Joel Soler, 18, aus Comayagua.
Marvin war 14, als er mit seinem älteren Bruder "die Strecke machen" wollte. In Chiapas, im südlichen Mexiko, stürzte er vom Zug und kam unter die Räder. Sein linkes Bein wurde unterhalb des Knies amputiert. Aus der Traum. Er kam unter in der Herberge zum guten Hirten in Tapachula, bis er über Spenden eine Prothese erhielt. Dann wollte er nach Hause, "irgendwie etwas machen, irgendwie nützlich sein", erzählt er im Haus seiner Mutter in einem der Randviertel Comayaguas. Dort wohnen diejenigen, die nicht wissen, was sie morgen essen können. Marvin fand ein paar Tagelöhnerjobs, aber keine richtige Arbeit. Als Ältester der anwesenden fünf Geschwister ist er seiner Mutter keine Stütze. Marvins weite lange Hose verdeckt das verlorene Bein. In seinen Träumen und im Alltag verfolgt ihn der Unfall. Seine Amputationswunde hat er seit der Anpassung der Prothese nie untersuchen lassen.

Hintergrundinformationen
Illegal und unverzichtbar
5,1 Millionen Mittelamerikaner leben in den USA, dem Hauptzielland der Migranten. Mehr als 1,1 Millionen von ihnen sind Honduraner, davon über die Hälfte ohne Papiere. Von den über 40 Millionen in den USA lebenden Hispanics aus ganz Lateinamerika haben schätzungsweise gut elf Millionen Menschen keine Papiere.
Für ihre Heimatländer bringen sie Gewinn: Allein für das Jahr 2006 beziffert die honduranische Zentralbank die Geldtransfers von Migranten nach Honduras auf 2,359 Milliarden Dollar, knapp 25 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Die Einnahmen aus Exportgeschäften erbringen etwa 21,4 Prozent, die der Billiglohnindustrie 11,5 Prozent und der Tourismus 5,3 Prozent.

 

© Berliner Zeitung

 

filme

Der Geist ruft aus der Ferne

Ekeko 870x335

Ein Film von Rainer Hoffmann u. Erika Harzer

Dienstag, 14.5.2019, 18.00 h im Ibero/Amerikanischen Institut Berlin, Simón-Bolívar-Saal
Film und Gespräch mit den Regisseur*innen

Das 19. Jahrhundert mit seiner Kolonialpolitik prägt auch das Bild der Schweiz. Entdecker, Naturforscher und Geschäftsleute erobern neue Welten in Übersee. Sie bringen Kakao, Baumwolle und exotische Pflanzen in die Alte Welt. Unter den mitgebrachten Kolonialwaren befinden sich auch Kulturschätze aus vorchristlichen Zeiten.

 

Das Terrassenwunder von Peru

ARTE - 360° - GEO Reportage
Ein Film von Erika Harzer u. Kalle Staymann
Kamera: Thomas Keller
Erstausstrahlung: Oktober 2015

Aktuelle Sendetermine

1.7.2019 um 14.45 Uhr

Im Hochland von Peru, 140 Kilometer von Lima entfernt, sprudelt der Río Cañete mit unerschöpflich anmutendem Wasserreichtum durchs Tal. An seiner Mündung öffnet sich eine riesige, kaum bekannte Terrassenlandschaft: Jahrtausendealt, offensichtlich als Kornkammer uralter Vor-Inka-Völker über Hunderte Höhenmeter in den Berg eingearbeitet.

 

Raus aus der Abhängigkeit

INKOTA Netzwerk
Regie: Erika Harzer
Juli 2014

Die starken Frauen von Xochilt Acalt

Weitere Informationen über das Frauenzentrum Xochilt Acalt [hier...]

radio features

Wohnen Rente auf Kosten anderer

Transparent Rigaer Str. 35 (Foto: Erika Harzer)

SWR2 Leben - 5. Dez. 2019, 15.05 Uhr

Wie der Immobilienmarkt Gewinner und Verlierer produziert

"Wollen Sie sich Ihren Lebensabend auf Kosten von Berliner Mietern finanzieren?" Diese Frage steht in rund 1000 E-Mails, abgesendet von Berlinern, deren Miete um 300 Prozent erhöht werden soll. Empfänger sind Zahnärzt*innen in Schleswig-Holstein, die für ihre Rente in ein Versorgungswerk investiert haben, das auf Immobilien setzt. Indirekt und ohne es zu wissen, wird ihr Geld zum Nachteil der Berliner Mieter vermehrt. Ein perfides Gewinn- und Verlustspiel, wie es tausendfach passiert - nur dass die Protagonisten normalerweise nicht miteinander Kontakt aufnehmen.

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Miriam Miranda

Miriam Miranda mit Garifuna Frauen u Männer vor Kongress in Honduras (Foto: Erika Harzer)

WDR5 Neugier genügt

Ein 8 minütiger Beitrag am 27. Nov. zwischen 10 - 12 Uhr

Die Rebellin der Karibikküste

Kurzgeschichte zu Miriam Miranda und der Menschenrechtspreis der Friedrich-Ebert Stiftung

Am Mittwoch, 27. November überreicht die Friedrich Ebert Stiftung in Berlin ihren diesjährigen Menschenrechtspreis an die Honduranerin Miriam Miranda, Angehörige der indigenen Garifunas. Seit über 30 Jahren setzt sich Miranda für die Rechte der Garifunas ein.

[WDR5 Neugier genügt...]

 

Mexiko – Hoffnung im Narco Land?

190219 (c) Erika Harzer Bundesstaat Chihuahua Strasse

WDR5 Dok 5 - Das Feature am 3.11.2019 von 11.05 - 12.00 Uhr
Wdh. am 4.11.2019 von 20.05 - 21.00 Uhr
DLF - Das Feature am 3.12.2019 um 19.15 Uhr

Erika Harzer u. Wolf-Dieter Vogel

Menschen verschwinden oder werden auf offener Straße hingerichtet. Drogenkartelle haben die Macht im Land. Mexiko ist über Jahrzehnte zum Symbol eines gescheiterten Staates geworden. Hat der neue Präsident eine Chance, etwas zu ändern?

WDR5 Dok 5: [Link zur Sendung]
Podcast: [Hier anhören]
DLF - Feature: [Ankündigung]

printmedien

Miriam Miranda

MIriam Miranda Preisverleihung FES 27.11.2019


Die Rebellin der Karibikküste

Am 27. November überreicht die Friedrich Ebert Stiftung ihren Menschenrechtspreis 2019 an die Honduranerin Miriam Miranda, die sich seit über 30 Jahren für die Rechte der Garifunas einsetzt.

 

Ein Schutzraum für „Engel“

KNH 90590 (c) Jacob Studnar Kindernothilfe
Foto: © Jacob Studnar-Kindernothilfe

Im Haus „Querubines“ in der Hauptstadt von Honduras finden Mädchen nach Missbrauch und sexualisierter Gewalt endlich Zuflucht und Unterstützung. Eine Reportage über den internationalen Einsatz für Kinderrechte.

 

Land in Sicht

Bertita am Telefon vor Berta Plakat
Amnesty Journal - Februar 2019

Ihre Mutter wurde wegen ihres Engagements umgebracht. Nun führt Bertha Zúñiga Cáceres den Kampf um Landrechte in Honduras weiter.

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